Worte … Schätze unsere(r) Sprache!

Kennt ihr das, wenn ihr nach langer Zeit mal wieder einen Stift zur Hand nehmt, um nicht nur zu unterschreiben, sondern vielleicht nur drei, vier Wörter mehr… dieses Gefühl, wenn sich der Stift wie ein Fremdkörper in der eigenen Hand anfühlt, weil wir durch das stete Drücken von Tasten, Scrollen, Wischen auf Bildschirmen aller Art täglich ein bisschen mehr das Schreiben verlernen. Wann schreiben wir im Alltag noch? Inzwischen braucht man nicht einmal mehr einen Einkaufszettel, weil Apps uns diese wenigen Wörter auch noch abnehmen wollen. Oder man nimmt gleich das ausgedruckte Rezept mit zum Einkauf und schaut was fehlt. Wann schreiben wir noch Postkarten? Elektronische Nachrichten sind doch viel schneller und zuverlässiger und sind dem WLAN sei Dank inzwischen global kostenlos. Dazu noch das passende Selfie und schon ist an alle gedacht. Schade eigentlich. Von Briefen sprechen bzw. schreiben wir gar nicht erst. Vielleicht darf es ab und an noch eine Glückwunschkarte sein, aber bitte nicht zu viel Text, sonst krampft die Hand schon wieder.

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Noch trauriger als der Verlust dieser manuellen Fähigkeiten, ist die stete Verwitterung des Ausdrucksvermögens durch den permanenten Input viertklassiger Fernsehsendungen, die sich mit unserem Wissen und Können durchmischen. „Input“… auch so ein Wort, das in unserer Sprache eigentlich gar nichts zu suchen hat, gibt es doch für Anglizismen bereits zahlreiche deutsche Bezeichnungen. Man muss sie nur verwenden. Können wir bald nicht mehr schreiben?! Was passiert, wenn es uns die Sprache verschlägt?! Wenn wir nicht mehr schreiben können, haben wir uns dann auch bald nichts mehr zu sagen?! In Gruppen sitzend, auf Handys einhämmernd (um nichts zu verpassen und auf dem neuesten Stand zu bleiben) gewinnt man fast den Eindruck.

Ich habe neulich einen selbst verfassten Gedichtband geschenkt bekommen und mich sehr darüber gefreut und gleichzeitig hat es mich zum Nachdenken angeregt. Diese Gedichtsammlung bekam ich von einem Mann geschenkt, der die 80 schon längst überschritten hat, sich die Poesie aber offensichtlich bewahrt, während wir es nicht einmal mehr schaffen auch nur ein paar Zeilen geradeaus zu schreiben. Dabei freut sich doch jeder über Post – kleine unerwartete Zeilen, vielleicht sogar ein Liebesbrief, ausformulierte Gedanken, die nicht einfach so dahingetippt sind. Wörter haben Kraft, Wörter haben Macht, warum nutzen wir sie nicht? Sie können bewegen, sie können erklären, sie können Verbindungen schaffen, wir können uns mit ihnen ausdrücken und doch tun wir es nicht. Aber ich möchte hier gar keinen Unmut verbreiten, denn es ist noch immer ein Blog über kleine Glücksmomente, aber vielleicht regt euch ja genau das an, eine liebevolle Nachricht zu verfassen und einem anderen einen seltenen – wenn auch so einfach zu bewerkstelligenden – Glücksmoment zu verschaffen. Nur Mut! Es müssen nicht immer die ganz großen Worte sein, austarierte rhetorische Meisterstücke und vollendete Glanzleistungen. Sonst hätte ich wohl schon längst Blogverbot. Manchmal reicht es schon, einfach seine Gedanken einzufangen und aufzuschreiben. Manchmal muss man sich selbst einfach nicht so ernstnehmen. Manchmal muss man einfach mal anfangen:

Es kribbelt und quiekt,

schnäuzt und tränt,

schnauft und schluchzt.

Es liegt `was in der Luft.

Was mag das bloß sein,

was so gemein

stenkert und kitzelt,

alles drumherum witzelt.

Die Gräser und Roggen,

die fleißig mobben –

den Allergiker zur Sommerzeit!

2 Gedanken zu “Worte … Schätze unsere(r) Sprache!

  1. Du wirst es nicht glauben,
    bald tränen keine Augen,
    kein Jucken, kein Schniefen,
    nur ein Lächeln ist dir geblieben.
    Ein kurzer Gedanke nur zurück,
    dann suhlst du dich in deinem Glück.
    Nun mit offenen Augen und Nase durchs
    Leben zu geh´n und den Freund an deiner
    Seite wieder richtig zu seh´n.
    Gruss und Kuss jetzt ist Schluss 😉

    Gefällt 1 Person

  2. Sehr schön geschrieben und wohl wahr. 🙂 Ich schreibe meine hobbymäßigen Texte auch immer noch gerne mit der Hand. Doch zugegebenermaßen ist es inzwischen nicht mehr vollkommen selbstverständlich, einfach den Stift in die Hand zu nehmen und loszuschreiben. Eher schon stellt sich seit Jahren zuallererst die Frage: Lieber mit dem Bleistift oder direkt digital? Denn wenn ich den Text irgendwann getippt brauchen sollte, habe ich ja die doppelte Arbeit, oder? Dann wird gegrübelt und nachgedacht, ob das Angenehme oder das Nützliche vorgeht und wenn ich danach die spontane Lust zu schreiben noch nicht verloren habe, wird es doch meist der Stift – sozusagen ein Sieg für das geradezu altmodisch-vertraute Gefühl, Gedanken und Emotionen ohne Umwege auf Papier zu bannen.
    Ein kleiner Zusatz-Tipp zum Jemandem-per-Post-Freude-schenken: Einfach mal so eine Postkarte kaufen, ein paar nette Zeilen draufschreiben und an einen lieben Menschen schicken. Gerade, wenn man sich NICHT aus dem Urlaub meldet, sind die Reaktionen erstaunlich 🙂
    Liebe Grüße und weiter so!

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