Befristetes (Un-)Glück

Wir leben in einer Zeit der Befristung, in der nichts auf Dauer angelegt zu sein scheint. Was auf beruflicher Ebene mit der „Generation Praktikum“ beginnt, setzt sich auf privater Ebene fort. Mehr oder weniger verlockende Alternativen warten mit nur einem Wisch. Wird tatsächlich alles beliebiger oder dreht sich die Welt einfach nur schneller? Ich fürchte, ich komme nicht mehr ganz mit. Mir wird ganz schwindelig.

Dabei hätte ich doch einfach gern etwas mehr Beständigkeit und Sicherheit. Gibt es so etwas überhaupt (noch)? Sind das realisierbare Wünsche und wenn ja, wo, womit, mit wem und wodurch? Oder sind es vielleicht nur schöne Ideale, denen wir auf dem Rad des Schicksals hintersausen, um uns letztlich doch nur im Kreis zu drehen?

Ich weiß es nicht und ich habe in den letzten beiden Monaten sehr mit den Antworten auf diese Fragen gehadert, denn wisst ihr was, ich kann Übergangssituationen und Ungewissheit nicht ausstehen. So.

  • meine berufliche Situation: in einer Übergangssituation.
  • mein Privatleben: in einer Übergangssituation.
  • meine Gesundheit: in einer Übergangssituation.
  • meine sportlichen Aktivitäten: in einer Übergangssituation.
  • meine Ernährung: in einer Übergangssituation.
  • mein Alter: in einer Übergangssituation.

Ich könnte diese Liste weiter fortsetzen und komme stets zu dem gleichen Schluss: mein Leben befindet sich an allen Ecken und Kanten in einer Übergangssituation. Ungewissheit ist ihr immanent… Da waren sie wieder, meine ungeliebten Weggefährten und sie riefen dadurch weitere ungemütliche „U´s“ hervor – Unbehagen, gefolgt von der Ungeduld, diesen Zustand schnellst möglich beenden zu wollen. In dieser Untröstlichkeit rollte ich mich ein, machte es mir (un)gemütlich und hoffte, dass sich der Unsinn bald legen würde. Aber auch das erwies sich als utopisch.

Glücklicherweise klärten sich auf meinem morgendlichen Spaziergang zur Arbeit bei Minus 10Grad nicht nur der Himmel, sondern auch meine Gedanken. Denn was haben all diese gedanklichen Ungetüme beim näheren Hinsehen gemeinsam – die Übergangssituationen, die Ungewissheit und die Ungeduld? Es sind Sorgen vor künftigen Entwicklungen und damit zugleich Sorgen vor Dingen, die noch gar nicht existieren und möglicherweise noch nicht mal existieren werden. Ich habe also die Wahl, mich von ihnen beeindrucken und gar einschüchtern zu lassen, oder aber auf ihren positiven Ausgang zu vertrauen; darauf, dass die vielen Puzzlestücke und die abschnittsweise Lebensplanung mir letztlich einen Weg in eine schöne, bereichernde Zukunft ebnen können. Denn der Weg, den wir gehen, besteht letztlich aus nichts Anderem als vielen kleineren oder auch längeren Streckenabschnitten. Nur weil wir den Ausgang oder das Ziel nicht von jedem Abschnitt aus sehen können, heißt es nicht, dass wir uns ihm nicht nähern.

Ja, bei mir gibt es momentan die einen oder anderen unbekannten Größen, aber ich habe mich dazu entschieden, sie lediglich als Vorboten dafür zu sehen, dass das Leben im Fluss ist, dass sich etwas verändert, dass es weitergeht, dass ihnen Chancen innewohnen und wer weiß, vielleicht sogar ungeahnte Möglichkeiten?! Alle Hürden, die ich momentan fürchte, sind lediglich Barrieren in meinem eigenen Kopf.

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