Was motiviert dich?

Quelle: Lars Amend: It‘s All Goodies 2021. 16.1.2021

Morgen ist Sonntag, ein Tag, den wir stets vorfreudig entgegenblicken, weil wir an diesem Vormittag einander die volle Aufmerksamkeit schenken und gemeinsam lieb gewonnene Traditionen genießen. Ausschlafen, genüsslich Kaffee im Bett schlürfen, ausgiebig und in aller Ruhe frühstücken (am liebsten Avocado-Brötchen mit warmen Ei und Mandelkäse), unsere Zeit für Zweisamkeit nutzen, für Gespräche und Blödeleien, für ein wenig Sport zum Erwecken der lahmen Glieder, ob beim Yoga oder auf unserer Laufrunde. Sonntag nehmen wir uns Zeit für die Dinge, die unter der Woche etwas zu kurz kommen, Zeit für Dinge, die uns gut tun und die wir genießen, statt Terminplan und To Do‘s, einfach nur Relax und Enjoy. Es ist einfach mein absoluter Lieblingstag in der Woche, auf den ich nur ungern verzichten würde.

Genau deshalb fand ich den Impuls vom heutigen Kalenderblatt so spannend. Wofür würdest du an einem Tag wie diesem trotzdem einen Wecker stellen? Wofür würdest du losgehen und deinen kuschelig warmen Sonntagskokon verlassen? Was motiviert dich so sehr, dass es dich an- und aus dem hyggeligen Bett forttreibt?

Vielleicht ja etwas, über das es sich morgen beim Frühstück zu sinnieren lohnt?!

Ich wünsche euch allen ein fröhliches, inspirierendes, gemütliches Wochenende, voller Licht und Herzenswärme in dieser grauen Jahreszeit.

2020

2020 ist verstrichen. Für Viele war es ein bedeutungsvolles Jahr – geprägt von neuartigen Herausforderungen, geformt von gesundheitlichen Tragödien, gesteigert durch wirtschaftliche Einschnitte und persönliche Einbußen im menschlich entrücktem Beisammensein. Wir Alle wurden auf unterschiedlichen Ebenen mit unterschiedlicher Intensität von diesen oder ähnlichen Veränderungen überrascht, manches Mal sogar überwältigt. Ungläubig blicken wir auf das verstrichene Jahr zurück und ganz gleich, ob laut oder leise, resignierend oder tösend, alle wirken unzufrieden, weil das Jahr anders verlaufen ist als gewünscht und auch das Nächste bereits seine Schatten vorauswirft.

Wir können uns nun entscheiden, uns dem unsichtbaren Gespenst machtlos zu ergeben, oder wir versuchen, der Düsternis einen kleinen Lichstrahl entgegen zu setzen, ein kleines Flämmchen der Hoffnung, der Zuversicht und der Dankbarkeit. Ohne den Schatten zu leugnen, habe ich mich Silvester dazu entschieden, zwar nicht die Raketen, dafür aber das Erlebte etwas heller strahlen zu lassen. Und siehe da, meine Erinnerungen begannen zu funkeln. Versteckt unter der Last, die wir alle geschultert haben, schauten Glücksmomente hervor. Ich bin gesund geblieben – keine Selbstverständlichkeit – wie uns das Jahr eindrücklich vor Augen geführt hat. Meine letzten universitären „Scheine“ vor der Masterarbeit konnte ich, trotz einer ungewöhnlichen Mischung aus Distanzunterricht, Präsenzklausuren, Seminararbeit, mündlicher Prüfung und Vollzeitstelle, mit Bravour bewältigen. Erstaunlicherweise blieb daneben auch noch Zeit für 943,49 Laufkilometer und hatte ich den Gewichtsverlust von 12kg schon erwähnt, (na gut, wenn wir den weihnachtlichen Plätzchenbauch abziehen: 10 kg).

Natürlich erlebte ich Einschränkungen in 2020, die etwa meine Reiselust ausbremsten, aber endlich hatte ich Gelegenheit, meine nähere Umgebung zu erkunden, Straßen und Wege zu begehen, die ich zuvor nie beschritten hatte, obwohl sie teilweise nur einen Katzensprung entfernt sind. Ich habe Wälder entdeckt, spannende Pfade, gemütliche Wohngegenden, lustige Dekorationen und bunte Eindrücke gesammelt.

Auch mir fiel die auferlegte Trennung zu Freunden und der Familie schwer, aber ich tat es, auch um sie zu schützen, weil sie und ihr Wohlergehen mir wichtig sind. Die (selbst) auferlegten Schutzmaßnahmen können vielleicht regulieren, wie nah wir uns geografisch kommen, nicht aber, wie nah wir uns in unserem Herzen sind. Gemeinsam Zeit zu verbringen, ist unendlich wertvoll und ich glaube, wir werden es künftig noch mehr zu schätzen wissen, die gemeinsamen Momente intensiver erleben und bis dahin bin ich dankbar für all die technischen Innovationen, die uns das Warten auf die Brieftaube erspart und mit einem Tastenklick eine virtuelle Umarmung, aufmunternde Worte versenden oder an Neuigkeiten teilhaben lässt.

Auch wenn der geknuddelte Kreis damit deutlich schrumpfte, blieb immer Platz für den oder die berühmte „Plus 1“ und während diese Konstellation wahlweise die Scheidungs- oder Geburtenquote nach oben treibt, verlieh es unserer Beziehung eine neue Intensität der Zweisamkeit. Das Grundrauschen des Alltags wurde leiser, die Betriebsamkeit im Außen wurde ruhiger, die gemeinsamen Erfahrungen zahlreicher, die Verlässlichkeit in stürmischen Zeiten erprobter, der gebotene Rückzugsort geschätzer und vertrauter und auch wenn ich die Zeit allein noch immer sehr genießen kann, ohne mich einsam zu fühlen, so kehre ich mindestens genauso gern zurück in (m)einen lieb gewonnenen sicheren Hafen, der mir Halt in verrückten Zeiten wie diesen bietet und hoffentlich bald auch wieder einen Ausgangspunkt für neue verrückte Unternehmungen.

Ich wünsche euch von ganzem Herzen, dass ihr – besonders in schweren Zeiten – den Fokus auf die schönen Dinge bewahren könnt.

Glaubt an Wunder. Jeden Tag!

Polarität des Lebens

Licht und Schatten, Ebbe und Flut, Tag und Nacht, Liebe und Angst, Vertrauen und Sorge… eine gefühlt unendliche Liste von Dingen, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Und doch sind all diese ungleichen Paarungen untrennbar miteinander verbunden.

Es mag Phasen geben, in denen wir den Mond betrachten und die Kälte spüren, während auf der anderen Seite des Erdballs die Sonne deren Bewohner wärmt. Manchmal sind es auch einfach nur unsere sorgenvollen Gedanken, die uns einen kalten Schauer über den Rücken jagen, kurz bevor uns helfende Hände gereicht werden, offene Ohren gespitzt, oder eine liebevolle Umarmung die tröstende Wärme gibt, die uns wieder vollständig werden lässt, weil sie jene Gegensätze vereint.

Leider können wir nicht immer entscheiden, welche Kräfte unsere Leben durcheinanderwirbeln, aber wir können wählen, wie wir damit umgehen.

Ich entscheide mich für Vertrauen, Liebe und Dankbarkeit.

IMG_20191110_170405831.jpg

Unterschätze mich ruhig. Das wird lustig.

Das Beste am Laufen mit Übergewicht? Die Reaktionen der Anderen, wenn man es trotzdem tut!

Meinen ersten Halbmarathon bin ich mit ungefähr 10kg weniger auf den Hüften gelaufen und schon zu dieser Zeit war ich kein Leichtgewicht. Und nein, ich schwelge nicht gerade in Erinnerungen an längst verblichene, dynamische Jugendzeiten. Dieser Lauf ist keine zwei Jahre her.

An dieser Stelle könnte ich jetzt wehmütig zurückblicken, meine Wunden lecken, alle möglichen und tatsächlichen Gründe als Rechtfertigung aufführen, aber wozu? Es ändert nichts, rein gar nichts. Es ist wie es ist. Die einzige Wahl, die mir nun bleibt ist, wie ich künftig damit umgehe. Da Zauberstab wedeln und auf Reset drücken auch dieses Mal keine Option ist, bleibt mir nur der Blick nach vorn. Und was sehe ich?

Ich laufe, auch wenn ich nun ein zusätzliches Trainingskorsett aus 10 Milchtüten mit mir herumschleppe. Ich laufe. Ich laufe aus den gleichen Gründen, warum ich es früher getan habe: weil mich mein Wunderwerk Körper, aller Widrigkeiten zum Trotz, trägt und mir ermöglicht, dass es mir gut geht, dass ich den Kopf frei bekomme, dass ich mich auf und an Erfolge(n) freuen kann, weil es mich Schritt für Schritt näher zu meiner alten Form bringt, weil auf der Couch sitzen bleiben keine Alternative ist. Streng genommen leistet mein Körper gerade sogar mehr als jeder durchtrainierte, leichtfüßige Hobbyläufer, der entspannt atmend durch Wälder und Felder huscht. Schwerstbeladen trug mich mein Körper vor einem Jahr sogar über die Ziellinie des Kölner Marathons.

Während ich ihm für jeden Schritt Anerkennung zolle und die Meisterleistung gar nicht genug würdigen kann, reagieren kreuzende Beobachter oft skeptisch. Läuft mein hochgewachsener, schlanker Freund an ihnen vorbei, nehme ich die Anerkennung in ihren Augen wahr. Fällt ihr Blick jedoch auf die kleine rennende Rubensfrau, wandelt er sich in Fragezeichen. Warum? Offensichtlich sind sie von dieser Kombination schlichtweg überfordert.

Glücklicherweise macht mir das nichts aus. Ganz im Gegenteil, ich genieße den verblüfften Ausdruck in ihren Augen. Mich motiviert es geradezu, wenn sie mich unterschätzen, nicht nur weil ich weiß, dass ich schon so manches Mal die Laufleistungen des eben erwähnten, optisch in das Läuferbild passenden Athleten übertroffen habe, auch wenn meine Beine (gefühlt) halb so lang sind und mein BMI doppelt so hoch ist. Ich laufe gegen genau diese Vorurteile an, um sie eines Besseren zu belehren, um all Jene zu motivieren, die sich nicht trauen, laufen zu gehen, weil sie vielleicht nicht der „optischen Norm“ entsprechen.

Das Einzige, was zwischen Laufen und Nicht-Laufen entscheidet, ist: „tun“ und glaubt mir, es tut einfach so gut, ihren irritierten Blicken wahlweise entgegen oder einfach davon zu sausen, denn ihr lauft, sie gucken nur.

Niemand kann euch aufhalten, außer ihr selbst!

Heute

Was wünschen wir uns vom heutigen Tag? Was fangen wir mit diesem wundervollen Geschenk an? Wenn ihr mich fragt, dann haben wir für die Gestaltung des „Hier und Jetzt“ drei Möglichkeiten.

Option 1

Wir machen weiter wie immer und lassen alles bequem vor sich hin plätschern.

Option 2

Wir gestalten den Tag nach dem gepriesenen Motto, ihn so zu leben, als wäre es unser Letzter. So abgedroschen dieser Ratschlag inzwischen klingen mag, erinnert er uns doch – leider zu recht – an die Endlichkeit unserer Zeit auf diesem Planeten. (Glücklicherweise weniger fatalistisch) gewährt er uns – wenngleich dezent mahnend – allerdings auch die Chance, uns unsere Prioritäten bewusst zu machen – wer und was wirklich wichtig ist im Leben. Vielleicht führt er aber auch zu trügerischen Versuchungen, wenn, dieses „Mantra“ in der Dauerschleife repetierend, eine praktische Entschuldigung für fehlenden Weitblick direkt mitgeliefert zu werden scheint.

Option 3

Aber was wäre, wenn wir diesen Denkansatz dahingehend umwandeln, den heutigen Tag nicht wie den Letzten leben zu wollen, sondern wie den Ersten?

Wir wären neugierig und aufgeschlossen, frei von Vorurteilen und negativen Erfahrungen. Wir könnten die Welt (wieder) mit Kinderaugen betrachten. Alles wäre einfach „nur“ neu und nicht (beängstigend) fremd. Voller Energie und Entdeckungslust wären unsere Sinne auf unsere Umgebung gerichtet, die so viele Abenteuer, Chancen und Möglichkeiten bietet, statt sie passiv an uns vorüberziehen zu lassen – aus Gleichgültigkeit, Angst oder Unlust. Aber nicht nur, dass wir alles zum ersten Mal (er)leben dürften. Es wäre erst der Anfang (von etwas ganz Großem). Wie viel mehr würden wir wagen? Wie viel mehr würden wir uns zutrauen? Was für neuartige Projekte würden wir beginnen, weil wir wüssten, das Leben steht uns erst noch bevor?…

Was wäre, wenn wir einfach den Konjunktiv weglassen und den Tag tatsächlich leben, wie unseren Ersten?! Du entscheidest. Jeden Tag neu.

Was ich aus den Wahlergebnissen gelernt habe

… ist (neben der Freude über eine steigende Wahlbeteiligung und die Skepsis hinsichtlich der aktuellen politischen Entwicklungen) vor allem, dass man offenbar nie zu alt ist, die Ärmel hochzukrempeln, für seine Ziele und Ideale einzustehen und sie beherzt zu verfolgen.

Meine Hochachtung für den Mut von Lisel Heise in einem Alter von 100 Jahren zu kandidieren und im pfälzischen Kirchheimbolanden mit den meisten Stimmen in den Stadtrat einzuziehen.

Wie oft suchen wir nach Ausreden. Uns fehlt die Kraft, der Mut, die Zuversicht, das Selbstvertrauen, die Zeit,… Die Liste ist lang. Sie zu vervollständigen gelingt hingegen vortrefflich und fast wie von Geisterhand.

Was wäre, wenn wir einfach häufiger

TUN

würden, statt darüber nachzudenken, warum Dieses und Jenes im Moment gerade eventuell noch nicht angedacht werden könnte?!

Wenn Laufen bewegt

… dann kann das eine Strecke von A nach B sein. Es kann aber auch viel tiefer gehen, manchmal sogar mitten ins Herz. Mit kardiologischen Spitzen(leistungen) ist mein Herz bestens vertraut, aber was gestern geschah, hatte eine ganz andere Intensität und v.a. viele unbegreiflich schöne Emotionen.

3 Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, verbunden durch eine tiefe (Lauf-)Freundschaft, vereint bei einem Wettkampf, den sie in all den Jahren, in denen sie sich jetzt kennen, immer gemeinsam bestritten. Vorfreude, fröhliche Umarmungen, Laufen, Jubeln, Lachen, verschwitzte Umarmungen, Auto suchen, Essen gehen, glückliche Umarmungen… (in dieser oder ähnlicher Reihenfolge) machten diese Treffen zu unvergesslichen Erlebnissen.

Doch dieses Jahr war alles etwas anders. Schniefend, die letzten Erkältungssymptome von mir schiebend, schlüpfte ich in meine Laufklamotten. Als „Sonnenschein“ der Gruppe durfte ich einfach nicht fehlen. Zu wichtig war der heutige Support.

Später düste – wie so oft auf dem letzten Drücker – unsere „Laufrakete“ herbei. Manchmal frage ich mich, ob dieser permanente High Speed einfach ihr ganz normales Lebenstempo darstellt, den sie beim Wettkampf „nur“ noch zu halten braucht.

Damit war die gestrige Laufcrew leider auch schon vollständig, denn vor den Umkleiden wartete unsere „Triathletin“. Sie war außer Stande den Lauf anzutreten, weil sie momentan einen viel wichtigeren Wettkampf austrägt, einen (Wett-)Kampf gegen den Brustkrebs. Glücklicherweise ist sie so eine taffe Frau, die an dem Ausgang dieses bösartigen Wettkampfs keinen Zweifel lässt.

Um ihr zu demonstrieren, dass wir nicht nur hinter ihr stehen, sondern auch für sie laufen, haben wir Laufshirts (natürlich für uns alle 3) drucken lassen, (weil sie im nächsten Jahr schließlich auch eines brauchen wird, wenn sie wieder gesund ist). Das T-Shirt trug auf der Vorderseite ein Foto von einem früheren Wettkampf mit dem Untertitel: „Running for XY“. Für die Rückseite haben wir ein lustiges Bild von unserer „Perückenparty“ gewählt mit dem Untertitel: „XY : Cancer (1:0)“.

Diese Überraschung ist nicht nur geglückt. Sie ging unter die Haut; nicht nur bei ihr, sondern auch bei uns als in ihren Augen Freudentränen aufstiegen.

Beflügelt von dem Gemeinschaftsgefühl, unserer Freundschaft, der Stärke, dem Zusammenhalt und dem Wissen, was wirklich wichtig ist, war die Startlinie schnell überquert. Und nicht nur das, unsere „Laufrakete“ finishte den Lauf auch noch als allererste Frau, um den Pokal zu holen – für unsere Kämpferin, für unser Team.

Ich kann kaum in Worte fassen, was das in mir bewegt hat. Plötzlich wurde aus einer kleinen Geste ein unvergesslicher Glücksmoment

…wenn Laufen bewegt.