Unterschätze mich ruhig. Das wird lustig.

Das Beste am Laufen mit Übergewicht? Die Reaktionen der Anderen, wenn man es trotzdem tut!

Meinen ersten Halbmarathon bin ich mit ungefähr 10kg weniger auf den Hüften gelaufen und schon zu dieser Zeit war ich kein Leichtgewicht. Und nein, ich schwelge nicht gerade in Erinnerungen an längst verblichene, dynamische Jugendzeiten. Dieser Lauf ist keine zwei Jahre her.

An dieser Stelle könnte ich jetzt wehmütig zurückblicken, meine Wunden lecken, alle möglichen und tatsächlichen Gründe als Rechtfertigung aufführen, aber wozu? Es ändert nichts, rein gar nichts. Es ist wie es ist. Die einzige Wahl, die mir nun bleibt ist, wie ich künftig damit umgehe. Da Zauberstab wedeln und auf Reset drücken auch dieses Mal keine Option ist, bleibt mir nur der Blick nach vorn. Und was sehe ich?

Ich laufe, auch wenn ich nun ein zusätzliches Trainingskorsett aus 10 Milchtüten mit mir herumschleppe. Ich laufe. Ich laufe aus den gleichen Gründen, warum ich es früher getan habe: weil mich mein Wunderwerk Körper, aller Widrigkeiten zum Trotz, trägt und mir ermöglicht, dass es mir gut geht, dass ich den Kopf frei bekomme, dass ich mich auf und an Erfolge(n) freuen kann, weil es mich Schritt für Schritt näher zu meiner alten Form bringt, weil auf der Couch sitzen bleiben keine Alternative ist. Streng genommen leistet mein Körper gerade sogar mehr als jeder durchtrainierte, leichtfüßige Hobbyläufer, der entspannt atmend durch Wälder und Felder huscht. Schwerstbeladen trug mich mein Körper vor einem Jahr sogar über die Ziellinie des Kölner Marathons.

Während ich ihm für jeden Schritt Anerkennung zolle und die Meisterleistung gar nicht genug würdigen kann, reagieren kreuzende Beobachter oft skeptisch. Läuft mein hochgewachsener, schlanker Freund an ihnen vorbei, nehme ich die Anerkennung in ihren Augen wahr. Fällt ihr Blick jedoch auf die kleine rennende Rubensfrau, wandelt er sich in Fragezeichen. Warum? Offensichtlich sind sie von dieser Kombination schlichtweg überfordert.

Glücklicherweise macht mir das nichts aus. Ganz im Gegenteil, ich genieße den verblüfften Ausdruck in ihren Augen. Mich motiviert es geradezu, wenn sie mich unterschätzen, nicht nur weil ich weiß, dass ich schon so manches Mal die Laufleistungen des eben erwähnten, optisch in das Läuferbild passenden Athleten übertroffen habe, auch wenn meine Beine (gefühlt) halb so lang sind und mein BMI doppelt so hoch ist. Ich laufe gegen genau diese Vorurteile an, um sie eines Besseren zu belehren, um all Jene zu motivieren, die sich nicht trauen, laufen zu gehen, weil sie vielleicht nicht der „optischen Norm“ entsprechen.

Das Einzige, was zwischen Laufen und Nicht-Laufen entscheidet, ist: „tun“ und glaubt mir, es tut einfach so gut, ihren irritierten Blicken wahlweise entgegen oder einfach davon zu sausen, denn ihr lauft, sie gucken nur.

Niemand kann euch aufhalten, außer ihr selbst!

5 Gedanken zu “Unterschätze mich ruhig. Das wird lustig.

    • Vor(schnelle) Urteile wird es wohl leider immer und überall geben. Auch ich kann mich davon nicht freisprechen. Wie schnell assoziieren wir bewusst oder unbewusst bestimmte Menschen oder Situation mit eigenen Erfahrungen und Erwartungen, positiver oder negativer Natur. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass es ein evolutionär bedingter Instinkt / Schutzreflex ist. Jedenfalls sind sie groß an der Zahl, so dass ich für mich persönlich eigentlich nur zwei Stellschrauben sehe. Ich kann mich bemühen, es anderen gegenüber besser zu machen und versuchen, bestmöglich damit umzugehen. Ich habe mich dazu entschieden, es als Antrieb zu nutzen. Das tut gut und hilft, weil es mir ein zusätzliches „Warum“ verschafft.

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  1. Sehr gut, einfach auf Dich selbst hören und Rücksicht nehmen. Was andere davon halten? Erst mal an die eigene Nase fassen, kann ich da nur sagen. Weiter so. Schritt für Schritt. Und für Dich. Liebe Grüße, Kerstin

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