Sich öffnen…

Der Frühling steht vor der Tür und mit ihm zart duftendende Blüten, deren Knospen so geheimnisvoll und wunderschön sind. Und doch entfalten sie ihre Wirkung erst in voller Blüte, so zauberhaft und zart und mit betörenden Düften. Natürlich werden sie dadurch auch verletzlicher, aber wie sonst wollen sie die Sonne sehen?! Wie sonst können andere ihre Schönheit erkennen, statt sie nur zu erahnen?!

Aber nicht nur im Pflanzenreich beginnt es zu sprießen und zu wachsen. Auch wir sollten so langsam aus unserem Winterschlafecken hervorkriechen und uns ein wenig mehr öffnen. Warum? Weil es funktioniert!

Am Anfang dieser Blog-Woche stand ein Lächeln. Ich selbst habe mich nämlich dabei ertappt, dass ich in den letzten Wochen viel zu sehr meinen Gedanken hinterherhing, dass ich viel zu wenig der Sonnenschein war, der lächelnd durchs Leben geht – schade eigentlich. Zu sehr drückt die Arbeitslast. Ein aufgesetztes Lächeln ist keine Alternative, liegt mir doch Authentizität mindestens genauso am Herzen. Aber ein bewusster Entschluss, sich wieder stärker auf sein Umfeld – statt auf seine Sorgen zu konzentrieren –  zu lächeln – statt grimmig drein zu blicken – schien mir einen Versuch wert. Gesagt getan. Ich bemühte mich, wieder häufiger einen Grund zum Lächeln zu finden. Wenn wir  Lächeln verstärkt sich dieser Effekt sogar, denn wir signalisieren unserem Körper damit, dass wir glücklich sind und fühlen uns darum auch glücklich(er). Probiert es aus!

Beflügelt durch dieser erste vorsichtige Öffnung, wenn man so will in Richtung Knospe, um im ursprünglichen Bild zu bleiben, wollte ich herausfinden, was passiert, wenn ich noch mutiger werde, wenn ich noch ein Stück weiter gehe – statt mich immer weiter arbeitend zurück zu ziehen. Ein Lächeln mag sprichwörtlich die kürzeste Verbindung zwischen zwei Menschen zu sein, aber vielleicht geht es ja sogar noch ein bisschen kürzer?! Ich nahm mir also vor, fremde Menschen anzusprechen, um zu schauen, was ich aus dieser Knospe der Offenheit noch herauskitzeln konnte und immerhin: 2 Versuchspersonen -2 Erfolge.

Den ersten Versuch wagte ich direkt morgens an der Bushaltestelle, indem ich eine junge Frau in meinem Alter in ein Gespräch verwickelte. Natürlich begann ich erstmal mit dem Klassiker: na klar, mit dem Wetter. Nicht besonders originell, aber darauf kam es auch gar nicht an und sie freute sich sichtlich. An einem weiteren Tag, als ich ihr dort wieder begegnete, setzten wir unser Gespräch fort. Das ging noch viel leichter als schon zuvor. Am dritten Tag kam sie bereits lächelnd und grüßend auf mich zu. So kann es gehen. Ist ein solcher Start nicht viel schöner als morgens schweigend an der Bushaltestelle nebeneinander zu stehen?!

Eine Bushaltestelle blieb Ort des Geschehens. Dieses Mal war es schon abends und die Rückfahrt stand bevor. Der Krankenwageneinsatz gegenüber lieferte den Gesprächsstoff und von da an wurde über das Mensaessen munter weiter geplaudert. Im Bus fragte er mich, ob er sich neben mich setzen könne, wo wir unsere Unterhaltung fortsetzen. Es war ein so viel angenehmerer Rückweg als allein über der Arbeit grübelnd durch die Dunkelheit zu fahren.

Viele werden sich an dieser Stelle jetzt vielleicht fragen, was an diesen beiden Episoden so berichtenswert ist. Vielleicht sind sie es tatsächlich nicht oder vielleicht sind sie es gerade wegen ihrer (gewünschten) Alltäglichkeit?! Bei mir persönlich haben sie jedenfalls Eindruck hinterlassen, denn wie wäre es, wenn wir häufiger aufeinander zugingen? Wie schön ist es, wenn wir merken, dass der Schatten, über den wir dazu springen müssen, gar nicht so groß ist wie in unserem Kopf? Was haben wir zu verlieren, wenn wir uns anderen gegenüber stärker öffnen? Was könnten wir alles Spannendes in Gesprächen von anderen Menschen erfahren? Wie viel mehr Freundschaften könnte es geben, wenn wir ihnen die Chance dazu geben?! Wie wäre es, wenn Mut tatsächlich belohnt wird?! Mich hat es neugierig gemacht, genau das auszuprobieren, vielleicht euch ja auch?! Also warum halten wir es nicht alle etwas mehr mit dem Frühling und wagen ein bisschen mehr Knospe statt hölzernes Bollwerk, etwas mehr Blüte statt Einheitsgrau.

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6 Gedanken zu “Sich öffnen…

  1. Aus Sicherheitsgründen hab ich mir abgewöhnt mit Kopfhörern und Musikbeschallung durch die Stadt zu fahren und ich muß sagen ich hab schon die nettesten Begegnungen gehabt seither. Gerade ältere Leute, die einem dann durch ihre Freundlichkeit und Dankbarkeit wegen eines kleinen Gefallens, sogar ein Lächeln auf die Lippen zaubern 🙂

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