Raus mit euch!!!!!

Nachdem der gestrige Lebkuchenschock im Supermarkt verdaut war, fühlte ich mich heute umso mehr bestätigt, den sonnigen Sommertag noch einmal ausgiebig auskosten zu wollen, auch wenn oder sogar weil die Arbeitsberge auf meinem Schreibtisch derzeit keinen Lichtstrahl hindurch lassen.

Zur Motivation endlich den zweiten Überarbeitungsdurchlauf meiner Diss zu starten, hatte ich mir bereits gestern ein neues – leicht überteuertes – Notizbuch gekauft, bei dessen Layout und enthaltenen Vordrucken ich einfach nicht widerstehen konnte. Die Aufschrift „mit Glück zum Glück“ schrie förmlich: „Nimm‘ mich mit!“ und ich dachte, ein paar aufmunternde Seiten zwischendurch können in der Tat nicht schaden.

Also lief ich mit meiner Decke, den ersten Kapiteln meiner Arbeit und natürlich meinem Glücksnotizbuch bepackt in Richtung Wiese, wo ich meinen Sonnenakku für die bevorstehenden Herbsttage noch einmal volltanken konnte.

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Manchmal ist es nicht leicht aus der „Pflicht“ eine „Kür“ zu machen, aber die Arbeit mit nach draußen in die Sonne nehmen zu können trägt doch jedes Mal wieder erheblich zum Wohlbefinden bei. Unter freiem Himmel wirkt die Arbeitslast gleich viel weniger drückend und ich kann nur allen raten, die noch immer zu Hause sitzen, rafft eure sieben Sachen zusammen und lasst mal Sieben gerade sein. Es tut einfach so gut!

Ich wünsche euch allen einen sommerlichen Sonntag!

Meine Reise zurück zur Mitte…

Heute unternahm ich die angekündigte Reise zur Mitte, nicht nur in geografischer Hinsicht, sondern auch zu meiner eigenen. Während ich meinen Arbeitstag noch eifrig wuselnd verbrachte und wahrscheinlich sogar noch meinen eigenen Zug verpasst hätte, weil ich einen pünktlichen Feierabend gar nicht mehr gewohnt war, und erst hochschreckte als sich unserer Sekretärin von mir verabschiedete, schaffte ich es gerade noch pünktlich aus der Tür. Leider musste es dann ganz fix gehen, ohne die herzliche Verabschiedung an allen Türen und noch wichtiger bei allen dahinter verborgenen Kollegen. Genauso wie ich durch die Tür schwirrte flogen meine Gedanken den ganzen Tag schon umher – über Dieses und Jenes, Folgendes und Vergangenes und zurück und überkreuzt und dann noch ein Knoten mehr in dem ganzen Gewusel. Doch dann machte ich die Bürotür hinter mir zu und begann meine Reise und hatte mit jedem Kilometer das Gefühl ein Stück mehr zur Ruhe zu kommen und nicht nur nach Hause zurück- sondern auch in mich selbst zu kehren. Auch als sich die Verspätungen nur so aneinanderreihten – ein paar Minuten bei der Ankunft, dann weil der anzukoppelnde ICE-Teil noch gar nicht da war, dann weil er da war es aber zu einer technischen Störung beim Zusammenschluss dieser beiden Teile kam und schließlich wegen eines Polizeieinsatzes… Selbst als damit schnell klar war, dass ich dadurch mit mindestens einer Stunde Verspätung zu Hause ankommen würde, blieb ich total ruhig und beschränkte mich auf die Gewissheit, dass ich sicher irgendwann ankommen werde und dass, ganz gleich was ich tue, es nicht schneller gehen wird. Also stieg ich aus, setzte mich geduldig ins Reisezentrum mit meiner gezogenen Nummer, um mir ein Fahrgastrechteformular geben zu lassen und gönnte mir im Anschluss ein super leckeres Eis mit fruchtigen Waldbeeren, Keks und weißer Schokolade – genau das Richtige bei so einem Wetter und dann ging es auch schon weiter, ganz gemächlich, Schritt für Schritt. Tiefenentspannt setzte ich meine Reise fort, schrieb mit verschiedenen lieben Menschen, erfreute mich an dem wahnsinnig schönen Abendrot über dem heimatlichen Horizont und die Zugfahrt, die sich schließlich auf insgesamt fast 6 Stunden erstreckte, ging kaum merklich vorbei. Statt total k.o. nach einem 8-stündigen Arbeitstag plus eben jener 6-stündigen Zugfahrt aus dem Zug zu kippen, stieg ich total entspannt und gelassen aus und es ging mir einfach nur gut. Ich war zu Hause. Nicht einmal jetzt bin ich müde, geschweige denn geschafft und die Uhr zeigt schon 1:26 Uhr nachts. Der gemeinsame Ausklang des Tages bei Kerzenschein auf der Terrasse zusammen mit meiner Ma und noch immer Temperaturen von 26 Grad taten sicher ihr Übriges auf dem Weg zu meiner inneren Mitte und damit der wirklichen Reise, die ich heute antrat, zu meinem Ruhepol und meinen Wurzeln. Manchmal muss man zu ihnen zurückkehren, um ihre Kräfte zu spüren, wenn sie wie von Geisterhand unsere Akkus aufladen, noch ehe wir richtig angekommen sind. Ich hätte das nicht für möglich gehalten und habe es in dieser Intensität auch noch nicht gespürt. Aber nun bin ich wieder einmal hier. Nun kann ich ganz beruhigt und behütet, beschützt und bemuttert in meinem „Kinderzimmer“ in den Schlaf fallen. Was bin ich doch für ein Glückspilz!

Ab und an den (Solar-)Akku auffüllen nicht vergessen!

Arbeiten und Vorwärtskommen im Leben ist wichtig, aber nicht um jeden Preis! Mindestens genauso wichtig ist es, seine Grenzen zu erkennen und zu respektieren. Damit möchte ich nicht sagen, dass ihr euch nichts zutrauen sollt, nein, das meine ich nicht, aber statt mit euch und eurem Leben zu hadern, wenn es mal nicht so schnell vorwärtsgeht wie ihr es vielleicht gern möchtet, dann gönnt euch doch einfach mal eine Pause. Ihr habt sie euch verdient und ihr braucht sie auch, wenn ihr gestärkt und konzentriert ans Werk gehen wollt!

Zu dieser Erkenntnis kam ich heute, nachdem ich bereits die erste Tageshälfte – über meiner Arbeit brütend – im Büro verbracht habe, sich aber irgendwann statt der Fortschritte nur der Frust mehrte als ich erkennen musste, dass mir wohl doch mehr Arbeit bevorstand als mir mein Zeitplan eigentlich zugestehen wollte. Mir blieb also die Option verbissen weiterzuackern, nur um es dann vielleicht eher schlecht als recht dem Zeitplan zu liebe fertigzustellen, von dem niemand in der Welt abhängig ist, außer vielleicht ich selbst, oder aber stolz auf das erreichte Zwischenergebnis zu sein und mir eine Pause zu gönnen, denn immerhin liegt bereits eine volle Arbeitswoche hinter mir und wir haben nicht ohne Grund Wochenende. Ich habe mich  schließlich für den zweiten Weg entschieden.

Deshalb werde ich jetzt hier meine Sachen zusammenpacken, mir die Arbeit einfach mitnehmen, nach Hause spazieren und dabei den Kopf frei machen, meine Klamotten gegen einen Bikini eintauschen und auf der Wiese ein Nickerchen einlegen, bevor ich – aber erst, wenn mir danach ist! – immernoch einen Blick in meine Unterlagen werfen kann… vielleicht heute Abend, vielleicht auch erst morgen, aber ganz bestimmt erst mit aufgefüllten Kraftreserven und nach einem leckeren Eis! Es wäre doch schade, den Sommer einfach so verstreichen zu lassen, ohne seine Solarenergie und seine vielen schönen Annehmlichkeiten (wenigstens ab und an) zu genießen!

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