Pura vida

Die Zugstunde durch NRW nutzen meine Gedanken für eine Reise in die entgegengesetzte Richtung und machten sich auf nach Costa Rica – das glücklichste Land der Welt. Gespannt verfolge ich noch immer die Berichte von Meike van den Boom auf ihrer Glücksreise rund um den Globus noch nicht ahnend, wie sehr ihre dortigen Erlebnisse meine beiden folgenden Tage prägen sollten. Der Ausruf über das Erreichen der Endstation beendete meine Lektüre über die Ticos mit ihrer beeindruckenden Genügsamkeit und unglaublichen Lebensfreude oder wie sonst könnte man das darin niedergeschriebene Zitat: „Wir sind ein armes Land, aber das hält uns nicht davon ab, ein reiches Leben zu haben.“ interpretieren? Wichtig und lebens(er)füllend sind für sie vor allem die Gemeinschaft, Freunde, Familie und Bekannte, die Möglichkeit auch mit ihren wenigen Mitteln Gutes zu bewirken und achtsam mit ihren Naturschätzen umzugehen. Sie haben so wenig und gleichzeitig so viel. Streben wir nach den falschen Dingen? Schüren wir unsere eigene Unzufriedenheit, weil wir uns und unser Leben an den falschen Dingen messen?

Während diese Gedanken noch in meinem Kopf nachhallten, griff ich kurzerhand zum Handy. Perfekt. Mein bester Freund war ebenfalls in der Stadt unterwegs und keine halbe Stunde später fanden wir uns in einem Café mit Blick auf das triste Wetter wieder. Wir erzählten, wir lachten, wir grübelten und streiften die Sorgen des Alltags ab. Ein spontanes Treffen unter Freunden, der erste Glücksmoment des Tages, während ich bereits auf die nächsten beiden personifizierten Glücksmomente wartete, die am Morgen (trotz stark angeschlagenem Gesundheitszustand) ihre Reise in meiner fast 400km-entfernten Heimat antraten nur um mich endlich wieder in die Arme schließen zu können.

Inzwischen hatten auch sie ihr Ziel erreicht. Wir sahen einander, wir erfreuten uns an einander, auch wenn wir nicht mehr die Stadt erstürmen konnten und in gemeinsame Abenteuer aufbrechen, weil sich ihr Lebenstempo inzwischen stark verlangsamt hatte. Umso mehr schätzte und dankte ich ihnen, dass sie diese strapaziöse Reise unternahmen und ich sie nun behutsam, sanft, aber voller Liebe und Herzlichkeit in die Arme schließen konnte – meine Großeltern. Sie gehören nicht nur zu den wichtigsten Menschen in meinem Leben, sondern auch zu dem Wertvollsten, was ich besitze. Gelebte und gespürte Lebensfreude á la Costa Rica. Ein kurzer Spaziergang, denn weit kamen wir nicht mehr, aber das war auch gar nicht wichtig, denn wir hatten uns und unser Wiedersehen. Mehr brauchten wir in diesem Moment gar nicht. Bald verabschiedeten wir uns in der Vorfreude auf den nächsten gemeinsamen Tag und ich trat vorerst die Rückreise von meiner kleinen Insel des Glücks – mein soeben wiedergetroffenem „Costa Rica“ – an.

Allerdings schien auch der Bus im Costa-ricanischem pura vida-Modus zu sein, denn den Zug drohte ich zu verpassen während ich kreuz und quer durch die Innenstadt rollte. Ich nutzte also die Fahrt, um mich wieder der Außenwelt zu öffnen, die ich während dieser wertvollen Wiedersehenszeit bewusst ausgeschaltet hatte, und beantwortete die ersten Osterwünsche. Statt am Bahnhof dem Zug hinterher zu hetzen, marschierte ich schließlich einfach hindurch und stieg bei einer Freundin ins Auto – eine weitere spontane Verabredung – die sich während der Busfahrt ergab und fuhr zu ihr nach Hause, wo mich als erstes ein köstlicher Duft und danach ihr freudestrahlender Mann empfing, der bereits inmitten der Kochvorbereitungen für unser gemeinsames Abendmahl steckte. Gemütlich saßen wir beisammen, erzählten, lachten, aßen gemeinsam als Beide darauf bestanden, ich solle doch unbedingt heute Abend bei ihnen bleiben. Es war so eine entspannte Atmosphäre voller Herzlichkeit und Wiedersehensfreude, ich konnte gar nicht nein sagen, wollte ich diesen gemütlichen Abend unter Freunden doch gar nicht abrupt beenden. Also blieb ich und wir erzählten bis in die Nacht, bevor ich in mein Gästebett schlüpfte und wir den Tag gemeinsam mit frischen Brötchen und einem Milchkaffee begannen, der vorsichtig meinen müden Geist weckte.

Hinter mir lag ein Tag mit Menschen, die mir am Herzen liegen, ein Tag voller Lebensfreude, ein Tag Costa Rica mitten in NRW, ein Tag mit allem was wirklich wichtig ist – ein Tag mit Freunden und Familie! Versteckte Glücksmomente nicht gesucht, aber gefunden. Könnte es ein schöneres Osterfest geben?!

Auch wenn ich auf eine Übernachtung gar nicht eingestellt war, ich nichts weiter bei mir hatte, außer das, was sich so üblicherweise in überlebensgroßen Frauenhandtaschen befindet, vermisste ich nichts. Auch der nächste Tag begann dementsprechend ungeschminkt und ohne überflüssige Gedanken in welche Klamotten ich schlüpfen sollte. Es war nicht wichtig. Das einzige, was zählte waren die Menschen, mit denen ich die Zeit verbrachte und so machte ich mich im Glücksmomentetaumel wieder auf, mit der Sonne am blauen Himmel um die Wette strahlend, um am Vorabend anzuknüpfen und den angebrochenen Tag mit meinen Großeltern fortzusetzen – (m)ein Ostern, das ich definitiv nicht vergessen werde!

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Euch wünsche ich ebenfalls ein unvergessliches Osterfest mit vielen schönen, kunterbunten Überraschungen!

2 Gedanken zu “Pura vida

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