Vom Glücksmoment überfallen

Hallo ihr da draußen, heute ist für mich der Tag, auf den ich die letzten sechs Jahre hingearbeitet habe und der mich gestern dennoch oder gerade deshalb überraschend ereilt hat. Wie ihr wisst, habe ich mir oft nicht nur lange Arbeitstage von bis zu 13 Stunden im Büro um die Ohren gehauen, nur um dann gleich am Wochenende auch wieder dort hinzurennen, weil ich gern dort bin und meine Kollegen liebe, ja, aber vor allem, um meinem ganz eigenen nebenberuflichem Projekt nachzugehen. Auch gestern saß ich wieder brütend am Schreibtisch, was man bei diesem Wetter wohl wörtlich nehmen muss, und vertiefte mich an meinem freien Tag in die Arbeit – soweit nichts Besonderes. Ich wühlte mich also in Maulwurfmanier durch meinen Arbeitsberg, Stückchen für Stückchen, wie ich es seit Jahren tue und plötzlich sah ich ihn – meinen Schreibtisch unter den Arbeitsbergen (scheint Fichte zu sein 😉 ). Plötzlich war nichts mehr übrig, plötzlich erkannte ich, nein, mehr Material ist da nicht. Fassungslos starrte ich von meinem Computer zum Schreibtisch, aktualisierte gespeicherte Links, durchkämmte meine Ordner, nein, mehr Material gab es tatsächlich nicht. Dann begann es so langsam aber sicher zu mir durchzudringen, ein leises Rieseln… Ohhhh, dann bin ich wohl jetzt fertig. Noch immer (leicht) geschockt von dieser Erkenntnis saß ich vor meinem Rechner und dachte… Nichts. Kennt ihr das, wenn wir über eine lange Zeit auf ein Ziel hinarbeitet und plötzlich ist Tag X und danach… einfach Nichts?! Ein merkwürdiges Gefühl!!!!… bestimmte dieses Ziel doch, vor allem in den letzten Monaten, meinen kompletten Tagesablauf, beherrschte meine Freizeit und so manche schlaflosen Nächte oder verspätet eingesetzte Träume. Begriffen habe ich es auch heute Morgen noch nicht wirklich. Aber es ist wohl so, auch wenn sich mein Verstand noch immer weigert es zu realisieren. Wovon ich da eigentlich die ganze Zeit rede bzw. schreibe? Das klingt jetzt auch für mich etwas fremd und alles andere als real, immerhin bin ich nur ein kleiner Glücksmoment, aber wenn sich das Alles nicht doch noch als Tagtraum entpuppt, dann werde ich wohl nachher meinem Doktorvater mein letztes Kapitel überreichen können. Natürlich wartet dann noch genügend Arbeit, schließlich will das Ganze noch gewürdigt und gekürzt werden, hübsch formatiert, mit Quellen- und Literaturverzeichnis versehen, die Fußnoten überprüft werden,… aber hey, die Arbeit steht. Verblüfft starre ich auf das letzte Kapitel, das neben mir auf dem Schreibtisch liegt… und denke… Nichts. Ein Wahnsinnsglücksmoment, dessen Wirkung nur so langam zu mir durchdringt… in Zeitlupe… Tropfen für Tropfen… Schreiben wollte ich es euch dennoch schon jetzt, weil ich dachte, dass es dadurch vielleicht auch für mich etwas realer wird… na ja… kommt wohl noch… Aber ihr seht es doch auch?!
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2 Gedanken zu “Vom Glücksmoment überfallen

  1. Sekt, wir brauchen Sekt!
    Darf ich raten? Es hat etwa so angefangen: „wie soll ich jemals damit fertig werde, ich weiß ja noch nicht mal wo ich anfangen soll“ und schwuppdiwupp sind wir jetzt bei: „WTF, wo ist das ganze Zeug hin, ist schon fertig?“? So in etwa, ja?

    Jetzt erst mal zurück lehnen, die Arme gemütlich auf den Bauch legen, leise seufzen und zufrieden und glücklich sein ❤ Du hast es dir mehr als verdient!

    Gefällt 1 Person

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